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Gut vorbereitet – und trotzdem Blackout? Warum Auftritts- und Prüfungsangst uns blockieren können.

Autorenbild: Andreas Brückner
Andreas Brückner
vor 6 Tagen
5 Min. Lesezeit

Warum uns ausgerechnet dann die Worte fehlen können, wenn es darauf ankommt – und was Stress mit unserem Denken macht.



Leerer Seminarraum mit Flipchart, Tischen, Stühlen, Laptop und Wasserflaschen; helles Tageslicht durch große Fenster.


Die Prüferin stellt eine Frage, eigentlich keine besonders schwierige. Die Antwort war gestern beim Lernen noch völlig klar, doch jetzt fällt sie dir einfach nicht mehr ein.

Die Gedanken kreisen und der Puls steigt. Während die Prüferin auf eine Antwort wartet, wächst die Anspannung. Und je angestrengter du versuchst, dich zu erinnern, desto schwieriger scheint es zu werden.

Später, als die Prüfung längst vorbei ist, ist die Antwort plötzlich wieder da.

Solche Situationen gibt es nicht nur in Prüfungen. Auch bei einer Präsentation vor Kollegen, der Geschäftsleitung oder einem Auftritt auf der Bühne kann es passieren, dass vertraute Inhalte plötzlich nicht mehr abrufbar sind.

Doch warum ist das so? Und weshalb kann selbst eine gründliche Vorbereitung manchmal nicht verhindern, dass der Kopf im entscheidenden Moment leer wird?



Wenn Stress das Denken erschwert


Unser Gehirn reagiert auf Situationen, die wir als bedrohlich oder besonders belastend erleben. Dabei muss es nicht um eine tatsächliche Gefahr gehen. Alleine die Vorstellung, zu versagen, sich zu blamieren oder negativ bewertet zu werden, kann eine deutliche Stressreaktion auslösen.

Der Körper stellt sich darauf ein, schnell reagieren zu können. Herzschlag und Atmung verändern sich, die Aufmerksamkeit richtet sich verstärkt auf mögliche Gefahren.

Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Reaktion, allerdings kann starke Anspannung genau die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen, die wir in einer Prüfung oder Präsentation besonders brauchen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der präfrontale Cortex, ein Bereich des Gehirns, der unter anderem an der Steuerung unserer Aufmerksamkeit und am Arbeitsgedächtnis beteiligt ist. Dieses benötigen wir, um Informationen kurzfristig verfügbar zu halten und Gedanken miteinander zu verbinden.

Unter starkem Stress können genau diese Prozesse beeinträchtigt werden. Auch der Abruf bereits gespeicherter Informationen kann dadurch erschwert sein.

Ein Blackout ist deshalb nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass jemand zu wenig gelernt hat oder nicht ausreichend kompetent ist. Das Wissen kann durchaus vorhanden sein, ist in diesem Moment aber nur schwer zugänglich.



Wenn die Aufmerksamkeit plötzlich woanders ist


Neben den körperlichen Stressreaktionen spielt noch etwas anderes eine wichtige Rolle: unsere Aufmerksamkeit. Während einer mündlichen Prüfung könnte sich beispielsweise folgender innerer Dialog entwickeln:

Warum fällt mir das jetzt nicht ein?

Die Prüferin denkt bestimmt, ich habe keine Ahnung.

Wenn ich die Frage nicht beantworten kann, falle ich vielleicht durch.

Diese Gedanken beanspruchen Aufmerksamkeit, die eigentlich für die Beantwortung der Frage gebraucht wird. Hinzu kommt, dass viele Menschen in solchen Momenten besonders stark auf sich selbst achten. Sie bemerken ihre zittrige Stimme oder eine kurze Sprechpause und versuchen gleichzeitig, sich möglichst nichts davon anmerken zu lassen.

Die psychologische Forschung beschreibt diesen Zusammenhang unter anderem mit der sogenannten Attentional Control Theory. Vereinfacht gesagt: Angst kann es erschweren, die Aufmerksamkeit bei einer Aufgabe zu halten, weil Sorgen und mögliche Bedrohungen stärker in den Vordergrund rücken.

Interessanterweise muss darunter nicht zwangsläufig die Leistung leiden. Manche Menschen gleichen ihre Angst durch zusätzliche Anstrengung aus. Die Präsentation gelingt, die Prüfung wird bestanden – aber der innere Aufwand war deutlich größer.

Das kann auch erklären, weshalb jemand nach einem gelungenen Vortrag völlig erschöpft ist und vor dem nächsten Auftritt trotzdem wieder Angst hat.




Die Angst vor dem nächsten Blackout


Manchmal taucht Auftrittsangst scheinbar aus dem Nichts auf. Eine erfahrene Führungskraft hält seit Jahren problemlos Präsentationen und verspürt plötzlich vor einem ganz gewöhnlichen Termin massive Anspannung.



Vortragende hält Notizzettel vor sitzender Gruppe im hellen Seminarraum; darauf Agenda mit Begrüßung, Ziel, Fragen, Fazit.


Was sich verändert hat, ist zunächst nicht erkennbar. Dahinter kann eine bestimmte Erfahrung stehen, aber auch anhaltender Stress, veränderte Erwartungen oder das Zusammenspiel mehrerer Belastungen.

Besonders belastend kann es werden, wenn eine solche Situation bereits erlebt wurde.

Studierende, die in einer mündlichen Prüfung einmal völlig blockiert haben, erinnern sich möglicherweise noch sehr lange daran. Bei der nächsten Prüfung oder einer anstehenden Präsentation in der Firma, taucht schon Tage vorher die Sorge auf, dass es wieder passieren könnte.

Ähnlich kann es Musikern gehen, die bei einem Konzert plötzlich ihren Einsatz verpasst haben.

Dabei muss die damalige Situation objektiv betrachtet gar nicht besonders schlimm gewesen sein. Entscheidend ist auch, wie sie erlebt und im Nachhinein von uns bewertet wurde.

Vielleicht war es die Scham, vor anderen unsicher gewirkt zu haben. Vielleicht die Befürchtung, den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Oder auch das Gefühl, in diesem Moment keine Kontrolle mehr gehabt zu haben.

Wenn die nächste vergleichbare Situation bevorsteht, können solche Erinnerungen und Erwartungen erneut Anspannung auslösen. Ein schnellerer Herzschlag wird zum Warnsignal, ein kurzer Gedankenaussetzer scheint die Befürchtung zu bestätigen.

Jetzt geht es schon wieder los.

Manche beginnen deshalb, solche Situationen zu vermeiden. Eine Präsentation wird an Kollegen abgegeben, eine Prüfungsanmeldung immer wieder verschoben. Das verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, kann die Angst aber langfristig aufrechterhalten.

So entsteht möglicherweise ein Kreislauf, in dem nicht nur die Prüfung oder der Auftritt selbst Angst macht, sondern zunehmend auch die eigene Reaktion darauf.



Warum noch mehr Vorbereitung nicht immer hilft


Wer Angst vor einem Blackout hat, versucht häufig, sich beim nächsten Mal noch gründlicher vorzubereiten. Der Lernstoff wird mehrfach wiederholt, jede mögliche Frage durchgespielt, die Präsentation bis ins kleinste Detail geplant.


Laptopschirm mit PowerPoint-Projektvorstellung, Notizen, Wasserflasche und Stiften auf einem hellen Bürotisch.


Gute Vorbereitung ist selbstverständlich wichtig. Sie schafft eine fachliche Grundlage und kann Unsicherheit reduzieren. Doch wenn das eigentliche Problem vor allem in der Angst vor Fehlern, negativer Bewertung oder einem erneuten Kontrollverlust liegt, lässt sich diese Angst nicht immer durch zusätzliches Lernen beseitigen.

Manchmal erhöht sich der Druck sogar noch.

Schließlich wurde so viel Zeit investiert, jetzt muss die Prüfung unbedingt gelingen und die Präsentation darf auf keinen Fall schiefgehen. Gerade Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selbst können dadurch in einen Widerspruch geraten. Sie bereiten sich immer gründlicher vor, fühlen sich aber trotzdem nicht sicherer.



Ist Nervosität vor einem Auftritt immer schlecht?

Nicht unbedingt.

Ein gewisses Maß an Anspannung gehört zu vielen Prüfungen, Vorträgen und anderen Leistungssituationen dazu. Auch Sportler kennen das Herzklopfen vor einem wichtigen Wettkampf. Diese körperliche Aktivierung kann durchaus hilfreich sein. Sie macht uns wach, steigert unsere Bereitschaft zu reagieren und kann dazu beitragen, im entscheidenden Moment unsere beste Leistung abzurufen.

Interessant ist dabei auch, wie unterschiedlich Menschen ihre körperliche Anspannung bewerten.

In einer kleinen experimentellen Studie von Jamieson und Kollegen (2010) schnitten Teilnehmende bei Mathematikaufgaben besser ab, wenn ihnen zuvor vermittelt worden war, dass körperliche Aufregung die Leistung auch unterstützen kann.

Daraus lässt sich natürlich nicht ableiten, dass starke Angst einfach durch positives Denken verschwindet. Die Untersuchung zeigt aber, dass Anspannung und Leistungsfähigkeit nicht zwangsläufig Gegenspieler sein müssen.



Auftritts- und Prüfungsangst: Was sich verändern kann


Auftritts- und Prüfungsangst ist nicht bei jedem Menschen gleich. Für manche steht die Angst vor einer schlechten Note im Vordergrund, andere fürchten, vor Kollegen oder einem Publikum inkompetent zu wirken.

Auch frühere Erfahrungen, hohe persönliche Ansprüche oder die Bedeutung, die jemand einem möglichen Fehler beimisst, können eine Rolle spielen.

„Du musst einfach lockerer werden.“ „Setz dich nicht so unter Druck.“ „Denk einfach nicht so viel darüber nach.“

Solche Ratschläge sind meist gut gemeint. Doch wer unter starker Anspannung leidet, weiß oft selbst, dass etwas mehr Gelassenheit guttun würde. Nur lässt sich die Angst nicht einfach auf Knopfdruck abstellen.

Schwierig wird es vor allem dann, wenn die Angst so viel Raum einnimmt, dass vorhandene Fähigkeiten kaum noch genutzt werden können oder wichtige Situationen zunehmend vermieden werden.

Im Coaching schauen wir deshalb nicht nur auf den bevorstehenden Auftritt oder die nächste Prüfung, sondern auch auf die individuellen Zusammenhänge.

Was genau löst bei dir den Druck aus? Welche Gedanken und Erwartungen begleiten dich? Und welche Rolle spielen möglicherweise frühere Erfahrungen?

Dabei geht es nicht darum, jede Form von Nervosität zu beseitigen. Vielmehr darum, dass du auch in herausfordernden Situationen zunehmend auf deine Fähigkeiten zurückgreifen kannst, ohne ständig gegen die eigene Anspannung ankämpfen zu müssen.


Wie wäre es, wenn bei deiner nächsten Prüfung, Präsentation oder deinem nächsten Auftritt nicht mehr die Angst im Mittelpunkt steht, sondern das Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten?


Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst, findest du auf meiner Angebotsseite zum Coaching bei Prüfungs- und Auftrittsangst weitere Informationen.

Gerne können wir auch in einem kostenlosen Erstgespräch gemeinsam schauen, ob Coaching für dein Anliegen die passende Unterstützung ist.

 


Quellen




 
 

Wer schreibt hier eigentlich?

Ich bin Andreas, systemischer Life & Business Coach, Mental Health Coach und EMDR Coach.

Andreas Brückner, systemischer Life & Business Coach und Mental Health Coach

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