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Ausgerechnet die wichtigen Dinge – warum wir sie immer wieder aufschieben

  • Autorenbild: Andreas Brückner
    Andreas Brückner
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Fehlende Disziplin erklärt das Aufschieben oft nicht vollständig. Denn Ausweichen kann kurzfristig entlasten – und genau dadurch den nächsten Versuch noch mehr erschweren.


Gelber Haftzettel mit der Aufschrift "Mach ich später" auf hellem Hintergrund. Wirkt aufgeschoben.


Die E-Mail ist längst fällig. Das Gespräch schiebst du seit Tagen vor dir her. Du öffnest ein Dokument, blickst auf die leere Seite – und erledigst vorher doch noch etwas anderes.



Nur kurz die anderen Mails checken und noch ein bisschen recherchieren.

Morgen fange ich dann in Ruhe an.



Du weißt, was zu tun wäre, und vielleicht hast du dir sogar schon mehrfach vorgenommen, endlich anzufangen. Trotzdem weichst du aus – hinterher kommen Zeitdruck und die Frage: Warum bekomme ich das nicht einfach hin?


Schnell lautet die Antwort: zu wenig Disziplin.


Doch gerade bei Aufgaben, die uns wichtig sind, greift diese Erklärung oft zu kurz. Dass wir ausgerechnet wichtige Aufgaben aufschieben, hat häufig weniger mit fehlendem Wissen als damit zu tun, wie wir die Aufgabe in diesem Moment erleben.




Was den Anfang so schwierig machen kann


Nicht jede verschobene Aufgabe ist Prokrastination. Manchmal ist es vernünftig, Prioritäten zu ändern, Informationen abzuwarten oder eine Pause zu machen. Gemeint ist hier das wiederkehrende Aufschieben gegen die eigene Absicht – obwohl du ahnst, dass dadurch später zusätzlicher Druck entstehen kann.


Eine Aufgabe ist für uns nicht immer nur eine sachliche Angelegenheit:


      Bei einer E-Mail steht vielleicht die Sorge im Raum, etwas Falsches zu schreiben.

      Bei einer Entscheidung der Anspruch, auf keinen Fall Fehler machen zu dürfen.

      Beim ersten Entwurf die Frage, ob das Ergebnis überhaupt gut genug sein wird.




Symbolbild. Person sitzt am Holztisch und schaut auf Laptop mit leerem Dokument; daneben Tasse, Notizbuch und Pflanze, ruhige Homeoffice-Stimmung.

In solchen Momenten kann Aufschieben kurzfristig eine Art Schutz sein, denn es schafft zunächst Abstand zu dem unangenehmen Erleben, das mit der Aufgabe verbunden ist.



Manchmal versuchen wir beim Aufschieben also, ein unangenehmes Gefühl auf Abstand zu halten.




Warum Aufschieben kurzfristig erleichtert


Du denkst an die Aufgabe – und merkst vielleicht Anspannung, Unsicherheit oder inneren Widerstand. Dann beantwortest du erst eine andere Nachricht, suchst noch nach Informationen oder kümmerst dich um etwas, das leichter überschaubar ist. Häufig sind diese Ausweichhandlungen durchaus sinnvoll und genau deshalb fallen sie kaum als Vermeidung auf.


Für den Moment wird es leichter: Du musst dich dem unangenehmen Teil noch nicht stellen und hast vielleicht sogar das Gefühl, trotzdem produktiv zu sein. Die psychologische Forschung beschreibt diese kurzfristige Entlastung als einen wichtigen Mechanismus, der Prokrastination begünstigen kann.


Langfristig löst das die Aufgabe leider nicht, doch im konkreten Moment folgt das Verhalten einer nachvollziehbaren inneren Logik: Ausweichen senkt zunächst den Druck.




Der Druck verschwindet nicht – er kommt nur später zurück


Die Erleichterung hält meist nicht lange an: Die Aufgabe bleibt, die Zeit wird knapper und oft kommen noch Selbstvorwürfe hinzu. Beim nächsten Versuch geht es dann nicht mehr nur um die ursprüngliche Aufgabe, denn nun schwingen auch noch die Erinnerung an das bisherige Aufschieben und der gestiegene Zeitdruck mit.


So kann ein Kreislauf entstehen: Die Aufgabe löst etwas Unangenehmes aus, woraufhin das Aufschieben kurz entlastet. Später steigen Druck und Selbstkritik – dadurch fällt der Einstieg beim nächsten Mal noch schwerer.



Hand mit Stift vor einem offenem Notizbuch mit To-Do-Liste auf Holztisch; Klebezettel mit Aufgaben, ruhige Planungsstimmung.


Aufgabe → unangenehmes Erleben → Ausweichen → kurze Erleichterung → mehr Druck beim nächsten Versuch



Sich dafür zu verurteilen, wirkt zwar wie ein Versuch, endlich Verantwortung zu übernehmen, erhöht aber häufig genau die innere Anspannung, die bereits Teil des Problems ist. Ein weniger verurteilender Blick redet das Aufschieben nicht schön – er schafft nur eher die Möglichkeit, genauer zu verstehen, was gerade geschieht.




Eine Frage, die den Blick verändern kann


Wenn du dich das nächste Mal beim Aufschieben beobachtest, musst du nicht sofort eine Lösung finden – vielleicht reicht für den Moment eine einzige Frage:



Was genau wird für mich unangenehm, wenn ich an das Anfangen denke?



Was sich dabei zeigt, kann ganz unterschiedlich sein: Unsicherheit, hohe Erwartungen an dich selbst, eine noch unklare Aufgabe oder auch das Gefühl, dass dir im Moment schlicht die Kraft fehlt. Wichtiger als eine möglichst schnelle Erklärung ist zunächst, die Bewertung „Ich bin einfach undiszipliniert“ für einen Moment beiseitezulegen.


Die Frage allein löst ein festes Muster natürlich noch nicht. Aber sie verschiebt den Blick: weg vom Urteil über deine Person – hin zu dem, was in der konkreten Situation eine Rolle spielen könnte.




Wenn das Muster immer wiederkehrt


Bei gelegentlichem Aufschieben kann diese neue Perspektive bereits entlasten. Wenn du jedoch über längere Zeit immer wieder an denselben Punkten hängenbleibst, wichtige Vorhaben nicht umsetzt oder zunehmend darunter leidest, lohnt sich ein genauerer Blick – denn auch wenn sich Aufschieben bei vielen Menschen ähnlich zeigt, können die persönlichen Zusammenhänge sehr unterschiedlich sein.


Genau hier setzt die individuelle Arbeit an: beim gemeinsamen Verstehen deines Musters – und bei den nächsten Schritten, die zu dir und deiner Situation passen.



Wenn du merkst, dass dich dieses Muster dauerhaft beeinträchtigt, findest du hier weitere Informationen zu meinem Coaching bei Prokrastination und inneren Blockaden. In einem unverbindlichen Erstgespräch können wir über dein Anliegen und deine Erwartungen sprechen und schauen, ob mein Coaching für dich ein passender nächster Schritt sein könnte.





Quellen: Steel, P. (2007). The Nature of Procrastination Sirois, F. M., & Pychyl, T. A. (2013). Procrastination and the Priority of Short-Term Mood

 
 

Wer schreibt hier eigentlich?

Ich bin Andreas, systemischer Life & Business Coach und Mental Health Coach.

Andreas Brückner, systemischer Life & Business Coach und Mental Health Coach
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